Indikationslexikon
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hepatische/portosystemische Enzephalopathie
Synonyme und ebenfalls zugeordnete Begriffe:
hepatische Enzephalopathie
portosystemische Enzephalopathie
PSE

Die PSE ist eine Sammelbezeichnung für neurologische und psychopathologische Symptome, die bei chronisch verlaufenden Lebererkrankungen (v.a. bei Leberzirrhose) auftreten: Depressionen, Müdigkeit, Antriebsschwäche, extrapyramidale Bewegungsstörungen (Flapping tremor), u.U. Bewusstseinsverlust und hepatisches Koma. Die Enzephalopathie geht gewöhnlich mit einem portokavalen Shunt einher. Die Leber metabolisiert und entgiftet Verdauungsprodukte, die ihr vom Darm zugeführt werden. Bei Lebererkrankungen werden die Parenchymzellen wegen Ausbildung eines portosystemischen Shunts umgangen. Die schädlichen Substanzen (z. B. Ammoniak, Phenole) werden von der Leber nicht aus dem Blut eliminiert und gelangen in den Systemkreislauf. Dadurch entsteht eine Vergiftung des Gehirns, die zu dem klinischen Bild der PSE führt.

Ernährungstherapie

Behandlungsziel ist die Reduktion der neurotoxischen Substanzen und der Ausgleich der Aminosäurenimbalance.

Angezeigt ist zunächst eine streng eiweißarme Diät mit 0,35-0,4 g Eiweiß/kg KG/Tag (25 g Eiweiß/Tag) bei voller Deckung des Energiebedarfs, die sich durch eine vegetarische Kost unter Einbeziehung von Eiweiß mit hoher biologischer Wertigkeit realisieren lässt. Nach Schwinden der klinischen und biochemischen Symptome erfolgt unter Kontrolle der neurologischen Befunde und der Ammoniakkonzentration im Blut (Ziel: Plasmaammoniak < 60 µmol/l (Männer) bzw.< 50 µmol/l (Frauen)) eine Erhöhung der Proteinzufuhr um täglich 10 g bis zur optimalen Menge von 0,8 g/kg KG/Tag. Eine mäßig eiweißarme Diät (0,6 g Eiweiß/kg KG/Tag, 40 g/Tag) erfolgt mit Zugabe von Milch und Eiprotein, die normale Eiweißzufuhr (von 0,8 g/kg KG/Tag, 60 g) unter Einbeziehung von Fisch und Fleisch. Die Umsetzung einer eiweißarmen Diät lässt sich mit Hilfe von eiweißarmen Lebensmitteln wesentlich erleichtern.

Zum Ausgleich der Aminosäurenimbalance, d.h. die Vemehrung der verzweigtkettigen und die Verminderung der aromatischen Aminosäuren im Plasma, erfolgt die Zulage von verzweigtkettigen Aminosäuren (ca. 0,25 g/kg/Tag) oder der teilweise Ersatz des Nahrungsproteins durch mit verzweigtkettigen Aminosäuren angereicherten ("leberadaptierten") Proteingemischen.

Die Gabe von 30-150 g Lactulose/Tag trägt zur Hemmung der Ammoniumbildung in den Enterozyten bei. Auch eine hohe Ballaststoffaufnahme wirkt zusätzlich der Enzephalopathie entgegen.
Bei komatösen Patienten (PSE-Stadium IV) ist eine parenterale Ernährung angezeigt.

Folgene Produkte kommen bei dieser Indikation in Frage:

Fresubin hepa
Fresubin hepa DRINK
Nutricomp® Hepa
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