Indikationslexikon
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Kurzdarmsyndrom
Synonym oder ebenfalls zugeordneter Begriff:
Zustand nach Dünndarmteilresektion

Das Kurzdarmsyndrom ist gekennzeichnet durch klinische Erscheinungen, die aufgrund der gestörten intestinalen Funktion nach Dünndarmresektion oder durch den Ausfall großer Teile des Dünndarms durch schwere Schädigungen auftreten. Führende klinische Symptome sind Diarrhoen, Gewichtsverlust und Malnutrition.

Bei einer Dünndarmteilresektion von bis zu 50 % kann der Restdarm durch Steigerung der Resorptionskapazität den Funktionsverlust ausgleichen. Ein Darmverlust von über 70 % kann in der Regel nicht vom Restdarm kompensiert werden, sodass es zu den oben genannten Störungen kommt.

Für eine orale Ernährbarkeit ist im Säuglingsalter eine Mindestresorptionsfläche von ungefähr 1000 cm2 Dünndarm notwendig.

Bei erhaltener Ileozökalklappe ist die Prognose günstiger. Abgesehen von seltenen Einzelbeobachtungen sind im Allgemeinen für die orale Ernährbarkeit mit Ileozökalklappe ca. 25-30 cm und ohne Ileozökalklappe etwa 50 cm Dünndarm Voraussetzung.

Ein Kurzdarmsyndrom tritt auch dann auf, wenn kürzere Darmabschnitte mit spezifischen Aufgaben ausfallen, die nicht von anderen Darmabschnitten übernommen werden können (z.B. Ileum für die Resorption von Gallensäuren und Vitamin B12).

Ernährungstherapie

Je nach verbleibender Restlänge des Darmes und dadurch nach Ausmaß der Malabsorption sind unterschiedliche diätetische Maßnahmen erforderlich.

Bei einer Restlänge des Dünndarms von 30-50 cm muss auf Dauer parenteral (heimparenteral) ernährt werden.

Ab einer Länge von 60-80 cm sollte nach der postoperativen parenteralen Ernährung möglichst frühzeitig mit dem enteralen-oralen Kostaufbau begonnen werden.

Die Therapie wird nach Verlauf des Kurzdarm-Syndroms in drei Stadien eingeteilt:

Stadium I: Hypersekretion

Als Folge der gastralen Hypersekretion kommt es zu wässrigen Diarrhoen mit Verlust von Flüssigkeit (> 2,5 l/Tag) und Elektrolyten. Zum Ausgleich des Flüssigkeit- und Elektrolythaushaltes und für eine adäquate Energiezufuhr wird total parenteral ernährt. Nach Stabilisierung sollten isotone Lösungen (z.B. Glucose-Kochsalz-Mischlösung) enteral zur Stimulation des Restdarms gegeben werden. Dauer: 1-2 (-4) Wochen.

Stadium II: Adaption

Das Stadium II ist gekennzeichnet durch Adaptionsvorgänge wie Hyperplasie der Darmzotten, vermehrte Produktion von Enzymen, Zunahme der Kryptenlänge, Dilatation des Restdarmes und Herabsetzung der Motilität. Der Flüssigkeitsverlust reduziert sich auf < 2,5 l/Tag. Durch die verstärkte Absorptionskapazität kann neben der parenteralen Ernährung stufenweise enteral ernährt werden. Dabei sollte mit 250 ml/Tag bei einer Energiedichte von 1 kcal/ml und einer Zufuhrgeschwindigkeit von 25 ml/Stunde begonnen werden. Die Zufuhrrate kann stufenweise auf 100-125 ml/Std. gesteigert werden. Langkettige Fettsäuren, intakte Proteine und Glutamin stimulieren die Adaption. Dauer: 4 Wochen-1 Jahr.

Stadium III: Stabilisation

Im Stadium III (3-12 Monate postoperativ) ist das Maximum der Adaption erreicht. Eine normale Nahrungszufuhr unter Einsatz einer (leichten) Vollkost ist bei den meisten Patienten wieder möglich. Nach einer anfänglichen Energiezufuhr von 600 kcal/Tag verteilt auf häufige kleine Mahlzeiten wird in mehrtägigen Abständen um jeweils 200 kcal die Energiezufuhr bis auf 35-40 kcal/kg Normalgewicht gesteigert (bei einer Resektion von > 50 % des Dünndarms die 1,5-2fache Menge). Die Kost sollte ballaststoffarm, oxalatarm sowie lactosearm sein. Bei Vorliegen einer Steatorhoe sollten 50-75 % der LCT-Fette durch MCT-Fette ersetzt werden. Dabei ist auf eine ausreichende Versorgung mit essentiellen Fettsäuren zu achten (10-12 g/d). Eine Proteinzufuhr von 80-100 g/d zur Gewährleistung einer positiven Stickstoffbilanz ist erforderlich.

Bei Entfernung des terminalen Ileums muss Vitamin B12 parenteral substituiert werden. Weitere Vitamine (fettlösliche!), Mineralstoffe und Spurenelemente können bei defizitärer Lage substituiert werden.

Folgene Produkte kommen bei dieser Indikation in Frage:

Frebini energy
Frebini original
Fresubin energy
Fresubin original
Nutricomp® Peptid
ProvideXtra DRINK
Reconvan
Survimed OPD
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